Dr. Lutz Lautstark ist Eigentümer einer Monumentalfigur. Es handelt sich um eine sechs Meter hohe Statue, die der 1971 verstorbene Konrad Kreißler, der
Schwiegergroßvater Dr. Lautstarks, geschaffen hatte und die den "Neuen Menschen" darstellt. Ihre Erstellung war 1938 von der NSDAP-Führung zur Ausschmückung des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes in Auftrag gegeben worden, wobei dem Künstler jedoch Spielraum bei der Ausgestaltung belassen worden war. Die Statue verblieb allerdings im Saarland, weil sie wegen ihrer Größe und ihres Gewichts während des Krieges nicht nach Nürnberg transportiert werden konnte.
Dr. Lautstark will diese Statue zur "Erbauung der Saarheimer Bevölkerung" auf seinem im Außenbereich von Saarheim gelegenen Wiesengrundstück aufstellen, dessen Umgebung vorwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzt wird und wegen seiner Schönheit ein beliebtes Naherholungsgebiet darstellt. Die Statue soll dort auf einen ca. sieben Meter hohen Sockel aus Granit gesetzt und sicher verankert werden, so dass eine Gefährdung von Personen und Sachen jedenfalls ausgeschlossen ist.
Ein entsprechender, an den Landrat des Saarpfalz-Kreises - untere Bauaufsicht - gerichteter Antrag
Dr. Lautstarks auf Erteilung einer Baugenehmigung vom 27. Februar
des vergangenen Jahres, in dem Dr. Lautstark ausdrücklich gebeten hatte, behördliche Prüfungen auf das rechtlich unbedingt Nötige zu beschränken, wurde jedoch vom insoweit zuständigen Leiter der Außenstelle Saarheim der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Saarpfalz-Kreises, Gunter Grossklos, nach ordnungsgemäßer Anhörung am 13. Mai
des vergangenen Jahres abschlägig beschieden, nachdem auch die Stadt Saarheim ihr Einvernehmen verweigert hatte. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass das Vorhaben bauplanungsrechtlich unzulässig sei. Es verunstalte das Landschaftsbild und beeinträchtige die natürliche Eigenart der Landschaft. Dies sei den im Außenbereich Erholung Suchenden nicht zuzumuten. Für diese Einschätzung spiele es - unabhängig davon, welcher künstlerische Wert der Statue beizumessen sei - keine Rolle, dass die Figur aus der NS-Zeit stamme.
Gegen diese Ablehnung legte
Dr. Lautstark am 23. Mai des vergangenen Jahres formgerecht
Widerspruch ein, der jedoch vom Kreisrechtsausschuss des
Saarpfalz-Kreises am 2. Juni als unbegründet zurückgewiesen wurde. Am 9.
Juni erhob Dr. Lautstark deshalb Klage beim Verwaltungsgericht des Saarlandes gegen den Landrat des Saarpfalz-Kreises als untere Bauaufsichtsbehörde. Er ist der Ansicht, dass sein Vorhaben durch die Kunstfreiheit geschützt sei, in die der Staat nicht reglementierend eingreifen dürfe; daher müsse er allein darüber entscheiden können, wo das ihm gehörende Kunstwerk aufgestellt werden solle. Deshalb seien von vornherein alle einschränkenden Vorschriften des Baurechts für sein Vorhaben nicht anwendbar und insbesondere eine Baugenehmigung nicht erforderlich.
Immerhin wolle er mit der Aufstellung der Statue ein Zeichen setzen: Der
Neue Mensch symbolisiere die "zukunftsgewandte alsbald bevorstehende
Auferstehung wahrer Kameradschaft des Deutschen Vaterlands aus den
Ruinen der Europäischen Besatzung". Am Fuße dieser Statue könnten "wahre
Kameraden im Schatten germanischer Kunst ihre Things [Anmerkung der
Redaktion: gemeint sind wohl Picknicke] abhalten" und er sei
sicher, dass der von ihm begründete
Kameradschaftsbund Deutsche Eiche dort auch zukümftig seine "Jugendweihen" abhalten könne. Jedenfalls erwachse ihm aus Art. 5 Abs. 3 GG zumindest ein Anspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung. Er beantragt daher,
1. festzustellen, dass es für sein Vorhaben keiner Baugenehmigung bedarf,
und hilfsweise,
2. den Landrat des Saarpfalz-Kreises - untere Bauaufsicht - zu verpflichten, die Baugenehmigung gemäß dem Antrag vom
27. Februar zu erteilen.
Bitte prüfen Sie die Erfolgsaussichten der Klage.
Lösungsvorschlag
Zu einer nach Berliner Landesrecht zu lösenden Fallvariante bei den Hauptstadtfällen
Zur "Hörbuchvariante" des Falles von Sebastian
Baur und Kourosh Semnani unter Mitwirkung von Ulrich Stelkens:
https://open.spotify.com/episode/22ePxUAlbXGeX4k4MMd8Pe
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Teilnehmer des Baurechtsrundgangs: Nach Bearbeitung hier lang!
Zeichnung: Dr. Alexander Konzelmann, Stuttgart